Ein Weckruf: Wir gestalten Licht entgegen der menschlichen Biologie
- Good Light Group

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Letzte Woche hatte Jan Denneman als Vorsitzender der Good Light Group die Gelegenheit, auf der Light + Building in Frankfurt zu sprechen.
Was ihn immer wieder beeindruckt, ist Folgendes: Wir verbringen rund 90 % unserer Zeit in Innenräumen, und dennoch ist das Licht, das uns dort umgibt, grundlegend nicht auf unsere Biologie abgestimmt. Die Auswirkungen sind alles andere als gering. Sie zeigen sich in schlechtem Schlaf, niedriger Energie, vermindertem Wohlbefinden und langfristigen Gesundheitsrisiken.Und trotzdem behandeln wir das als normal.
Die Realität ist einfach: Tagsüber sind die meisten Innenräume viel zu dunkel, um unser zirkadianes System angemessen zu stimulieren. Am Abend sind sie dagegen oft zu hell und senden unserem Körper die falschen Signale, obwohl er sich auf Ruhe vorbereiten sollte. Hinzu kommt, dass sich künstliches Licht in seiner spektralen Zusammensetzung deutlich vom natürlichen Tageslicht unterscheidet. Ganz wörtlich gestalten wir Licht entgegen der menschlichen Biologie.
Die Wissenschaft hat uns bereits klare Leitlinien gegeben. Tagsüber brauchen wir etwa 500 bis 1.000 Lux auf Augenhöhe, um unser zirkadianes System richtig zu stimulieren. Am Abend sollten die Lichtniveaus unter 20 Lux sinken und nachts nahezu völliger Dunkelheit entsprechen. In der Praxis erhalten die meisten Menschen jedoch tagsüber nur einen Bruchteil des Lichts, das sie benötigen – es sei denn, sie sitzen direkt neben einem Fenster. Das Ergebnis ist eine fortlaufende Störung unserer inneren Uhr.
Die Folgen sind erheblich und gut dokumentiert. Licht beeinflusst, wie wir schlafen, wie wir uns fühlen, wie wir leisten und wie gesund wir im Laufe der Zeit sind. Schon wenn wir allein den Schlaf durch bessere Beleuchtung verbessern würden, wäre der wirtschaftliche Nutzen enorm.
Warum geschieht das also nicht in großem Maßstab?
Weil wir noch immer auf die falschen Dinge optimieren.
Die 3–30–300-Regel macht das schmerzhaft deutlich. Für jeweils 3 € Energiekosten und 30 € Gebäudekosten geben Organisationen rund 300 € für die Menschen im Gebäude aus (pro 0,1 m² und Jahr). Dennoch werden Beleuchtungsentscheidungen noch immer weitgehend davon bestimmt, einen Bruchteil dieser 3 € einzusparen – während die deutlich größere Wirkung auf die 300 € ignoriert wird.
Genau hier liegt die eigentliche Chance. Nicht darin, noch ein weiteres Prozent Energieeinsparung herauszupressen, sondern darin, durch besseres Licht die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit von Menschen zu verbessern.
Innenbeleuchtung sollte nicht als rein technisches oder ausschließlich auf Effizienz ausgerichtetes System betrachtet werden. Sie ist eine Gesundheitsmaßnahme, die sich direkt vor unseren Augen verbirgt.
Das bedeutet, dass dies nicht nur ein Thema für die Lichtindustrie ist. Es ist eine Verantwortung des gesamten Ökosystems, das unsere Innenräume gestaltet – von Designerinnen und Designern sowie Architektinnen und Architekten über Installationsbetriebe, Gebäudeeigentümer und Investoren bis hin, nicht zuletzt, zu Arbeitgebern, denen das Wohlbefinden ihrer Mitarbeitenden wichtig ist.
In diesem kurzen Clip erklärt Jan, warum es Zeit ist, unser Verständnis von Lichtgestaltung in Innenräumen neu zu denken – und warum die Kosten des Nichtstuns weit höher sind, als wir meist annehmen.




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