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Der verborgene Anteil des Sonnenlichts: Warum nahes Infrarotlicht wichtig ist

Ein Blog von Dr. Aida Farshadi


Seit Millionen von Jahren lebten Menschen unter dem vollständigen Spektrum des Sonnenlichts. Unsere Physiologie entwickelte sich nicht nur im Zusammenspiel mit sichtbarem Licht, sondern auch mit nahem Infrarotlicht (NIR) – einer unsichtbaren Wellenlänge, die nahezu die Hälfte der Sonnenenergie ausmacht, die die Erde erreicht.



Photo by Todd Rhines on Unsplash


Was ist nahes Infrarotlicht – und warum fehlt es uns?

Nahes Infrarotlicht liegt direkt jenseits des roten Endes des sichtbaren Spektrums, im Wellenlängenbereich von 700–1100 nm. Im Gegensatz zu kürzeren Wellenlängen, die an der Hautoberfläche enden, dringt NIR mehrere Zentimeter tief in den Körper ein und erreicht Muskeln, Blutgefäße sowie die Mitochondrien in diesen tieferen Geweben. Man kann sich Mitochondrien wie winzige Batterien in unseren Zellen vorstellen.


Forschungen zeigen, dass NIR-Licht dabei helfen kann, diese „Batterien“ wieder aufzuladen, indem es die zelluläre Energieproduktion steigert und zugleich die Durchblutung verbessert.


Dabei handelt es sich nicht um exotische Laboreffekte – vielmehr scheint dies Teil der Art und Weise zu sein, wie sich unser Körper im Zusammenspiel mit Sonnenlicht entwickelt hat.


Die Herausforderung besteht jedoch darin, dass das moderne Leben NIR aus unserer täglichen Lichtexposition nahezu entfernt hat. Im Freien liefert Sonnenlicht eine beträchtliche NIR-Bestrahlungsstärke auf unserer Haut – im Bereich von Dutzenden bis Hunderten Milliwatt pro Quadratzentimeter. In Innenräumen hingegen blockiert Fensterglas den Großteil des solaren NIR-Anteils. Zwar emittieren Glühlampen und Kerzen ebenfalls etwas Infrarotlicht, doch ihre Intensität liegt ein bis zwei Größenordnungen unter der des natürlichen Sonnenlichts.


Das ist relevant, weil die Wirkung von NIR dosisabhängig ist. Unterhalb eines bestimmten Schwellenwerts tritt keine bedeutsame biologische Reaktion auf – lediglich eine vernachlässigbare Hintergrundexposition. Es genügt also nicht, dass eine Lichtquelle „ein wenig“ Infrarot enthält; die Bestrahlungsstärke muss sich dem Niveau der Sonne annähern. Die meisten Innenräume bleiben deutlich darunter.


Dieser Mangel an NIR könnte zu typischen Beschwerden des modernen Lebens in Innenräumen beitragen: Müdigkeit, schlechter Schlaf, verminderte Wachheit und verlangsamte Regeneration. Auch wenn eindeutige kausale Zusammenhänge noch weiter erforscht werden, zeichnet sich zunehmend ab, dass NIR kein Luxus ist – sondern eher einem Umweltfaktor gleicht, den wir unbewusst aus unserem Alltag entfernt haben.


Was können wir tun?

Die einfachste Lösung bleibt: mehr Zeit im Freien verbringen. Selbst an einem bewölkten Tag liefert natürliches Tageslicht weit mehr NIR als jede Innenraumbeleuchtung.


Für diejenigen unter uns, die den Großteil ihrer Zeit in Innenräumen verbringen, könnte die Zukunft speziell entwickelte NIR-Lichtquellen bereithalten: kalibrierte Systeme, die diesen fehlenden Teil des Sonnenspektrums wieder ergänzen. Nicht als Ersatz für Sonnenlicht, sondern um das zurückzubringen, was moderne Architektur herausgefiltert hat.


Und es gibt noch mehr zu erforschen. Wir wissen, dass blaues Licht unser zirkadianes System synchronisiert. In der Natur erhalten wir blaues Licht jedoch nie isoliert – es tritt stets gemeinsam mit dem vollständigen Spektrum auf, einschließlich NIR. Ein besseres Verständnis darüber, wie diese Wellenlängen zusammenwirken, könnte neue Wege in der Licht- und Gesundheitsforschung eröffnen.


Gutes Licht bedeutet nicht nur Helligkeit oder Farbe. Es geht um das gesamte Spektrum – auch um den Teil, den wir nicht sehen können.


References:

  1. Hamblin MR. Mechanisms and applications of the anti-inflammatory effects of photobiomodulation. AIMS Biophysics. 2017;4:337–361.

  2. Avci P, Gupta A, Sadasivam M, et al. Low-level laser (light) therapy (LLLT) in skin: stimulating, healing, restoring. Seminars in Cutaneous Medicine and Surgery. 2013;32:41–52.

  3. Jeffrey G, et al. LED lighting undermines human visual performance unless supplemented by wider spectra like daylight. Nature Scientific Reports. 2026; 16:3061.

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